private dots and public clouds

Die gegenwärtige Situation zwingt uns, uns zuhause zu isolieren und nicht im öffentlichen Raum zu treffen. Also müssen wir mit technischen Geräten und Software digitale Räume bilden, um kommunikativ in Verbindung zu bleiben. Solange das so bleibt, sind virtuelle Räume der Ersatz für öffentliche. Sie sind die Schnittstellen unserer Privaträume, wo wir uns auf neue Art treffen und – grundlegender noch – neue Formen der Öffentlichkeit im Privaten erproben können. Doch wie können wir diese virtuellen Räume darstellen?
„Private Dots and Public Clouds“ basiert auf der Aufnahme eines Online-Meetings mittels einer Videokonferenzsoftware. Die daran Teilnehmenden redeten jedoch nicht, sondern versuchten stattdessen dem Raum zuzuhören, der sich aus den Umgebungsgeräuschen aller Zimmer zusammensetzte, die sich in den Lautsprechern der Laptops überlagerten. Alle Teilnehmenden nahmen diesen Raum jeweils mit ihrem Laptop auf. Diese Aufnahmen, die durch die jeweiligen Internetverbindungen klanglich und rhythmisch anders moduliert wurden, sind also verschiedene klangliche Perspektiven auf denselben virtuellen Ort. Jede/r versuchte für sich, sein oder ihr persönliches Umfeld in der aktuellen Situation zu porträtieren. Dadurch, dass wir nichts sagten und so die Hintergrundgeräusche unserer Wohnungen akzentuierten, schufen wir nicht nur eine kollektive Hörsituation, sondern auch klangliche Spuren der Abwesenheit, der Einsamkeit und der Nichtkommunikation, denn derart virtuelle Räume sind sonst ja für die sprachliche Kommunikation gedacht. Ziel des Projekts war es mithin, die erzwungene Isolation erfahrbar zu machen.
Das in den Leuchtkästen ausgestellte Bildmaterial zeigt die jeweiligen Privaträume mit den Klangquellen. Auf der Postkarte sind die Standorte der Teilnehmenden verzeichnet, basierend auf den Entfernungen und geographischen Richtungen zum Projektzentrum, der TONSPUR_passage. Letztlich ist diese mit ihren acht Lautsprechern der Sender in den realen öffentlichen Raum – Private Dots in Public Clouds. 
Text von Elisa Pezza & Julian Siffert

18.Mai -13.Juni 2020

Tonspur Passage MQ

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TONSPUR for a public space, Sound works at MQ in Vienna
A project by Georg Weckwerth and Peter Szely 

TONSPUR & Angewandte/TransArts
Private Dots and Public Clouds, 2020
Eine Klangarbeit für die TONSPUR_passage in Zeiten von Covid-19
von …
Maxim Brezhnev, Christopher Frieß, Marlene Fröhlich, Chris Izsák,
Luise Lutz, Luīze Nežberte, Elisa Pezza, Leonhard Pill, Julian Siffert
TONSPUR Kunstverein Wien in Kooperation mit TransArts, 
Universität für angewandte Kunst Wien
Künstlerische Leitung: Georg Weckwerth
Dauer 06:00 min
Titelkreation: Julian Siffert
Text: Elisa Pezza & Julian Siffert
Tonaufnahmen: Workshopteilnehmer
Tonschnitt: Julian Siffert
Fotos PASSAGENGALERIE: Workshopteilnehmer
Bildbearbeitung und Grafikdesign: Christopher Frieß & Elisa Pezza
Design Sujet und Ausstellungsplakat: Christopher Frieß
Fotodokumentation: Marlene Fröhlich
Video: Leonhard Pill
Soziale Medien: Workshopteilnehmer
Produktion: TONSPUR Kunstverein Wien für die Reihe
TONSPUR für einen öffentlichen raum
Bedonderer Dank: Roman Pfeffer & Team TransArts